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Der steinige Weg bis zur Personal ID

Sechs Monate, 3 Wochen und 2 Tage hat es gedauert, bis ich endlich meine Personal ID in den Händen hielt. Jetzt bin ich quasi eine Schwedin. Kann problemlos Rechnungen bezahlen. Kann meine Kinder im Sport anmelden. Kann sie in Betreuungsprogramme schicken, damit sie Kontakt zu Gleichaltrigen haben.

Die Liste der Möglichkeiten ist lange. Sogar schon eine Einladung zum gynäkologischen Vorsorge-Untersuch habe ich erhalten – zwei Tage nach Ausstellung und Erhalt der ID. Aber der Reihe nach.

Es war vergangenen August, als ich mich gemeinsam mit meinem Mann und unseren beiden Kindern im Alter von 8 und 12 Jahren nach Stockholm aufgemacht habe.

Unser Ziel: Für die nächsten zwei Jahre unseren Lebensmittelpunkt in die 2-Millionen-Metropole zu verlegen. Vieles hatten wir bereits über die Personal ID gehört. Dass wir dann als Schweizerin, respektive als Schweizer, 7 Monate darauf würden warten müssen, war dann doch überraschend. Zumal selbst Expats aus Nicht-EU-Ländern weniger lange darauf warten mussten. Aber ja klar: Wir waren Schweizer. Und damit änderte sich die Ausgangslage komplett.

Doch der Reihe nach.

Warum brauchst du eine Personal ID: Eine solche ist notwendig, damit du in Schweden ein Bank-Konto eröffnen kannst. Ein schwedisches Konto benötigst du, damit du mittels Swish (analog Twint) bezahlen kannst. Und Swish ist DAS schwedische Zahlungsmittel schlechthin. Fragen nach einer IBAN lösen meist Kopfschütteln aus. Eine ID benötigst du aber auch, damit deine Kinder die Nachmittags-Schulbetreuung besuchen können. Eine solche kann wertvoll sein, damit deine Kinder schnellstmöglich Kontakte mit Gleichaltrigen schliessen. Oder damit du deine Kinder in Sportprogrammen anmelden kannst. Aber auch der Gang zum Arzt oder Zahnarzt ist einfacher zu bewerkstelligen mittels ID. Dies fängt schon damit an, wenn du dich dazu entschliesst, einen Arzt aufzusuchen. Nach der Begrüssung folgt meist die Frage nach der ID.

Wie kommst du zur ID: Am einfachsten lässt du dir beim Prozess von einer mit der Ausstellung von ID’s betrauten Person helfen oder melde dich bei deiner Gemeinde. Sicher ist: Du musst mehrere Hürden nehmen, bis du Herrin oder Herr der ID bist. Dazu gehört unter anderem der Gang zum Amt für Migration, wo du dich registrieren lassen wird. Dieser Prozess hat zur Folge, dass du eine Aufenthaltsbewilligung erhältst. Hierfür werden dein Fingerabdruck benötigt sowie wird von dir eine Foto gemacht. Weitere Wochen werden vergehen, bis du das Aufgebot erhältst, dich beim Steueramt zu melden, um weitere Formulare auszufüllen. Erneut wird es einige Wochen dauern, bis du aufgeboten wirst, deine Personal ID zu bezahlen und erneut eine Foto von dir ausstellen zu lassen. Und dann, ja dann, weitere Wochen später erhältst du erneut das Aufgebot, deine ID persönlich beim Amt für Steuern abzuholen.

Was passiert mit deiner ID: Diese wird im schwedischen System abgelegt und die Nummer unter Ausschluss der letzten vier Ziffern auf dem Internet publiziert. Sie dient dir als Ausweis und zur Berechtigung, ein schwedisches Bank-Konto zu eröffnen. Einmal im Besitz einer solchen ID, sind du und deine Familienmitglieder auch berechtigt, Freizeitskurse zu besuchen oder vom Betreuungsprogramm für Kinder zu profitieren. Sie dient jedoch auch dem schwedischen Gesundheitssystem dafür, innert Kürze auf deine hinterlegten Daten zurückzugreifen. Dies kann im Notfall Leben retten. Kurz: Eine Personal ID hat ganz viele Vorteile, sie macht dich aber auch sehr gläsern. Denn Vater Staat weiss mehr oder weniger alles über dich. Und während dies die Schwedinnen und Schweden mehr oder weniger locker in Kauf nehmen – im Wissen darum – dass ihnen im Notfall vom Staat geholfen wird, macht unsereins solcherlei Transparenz und Abhängigkeit Angst. Das Problem: Ohne eine solche ID bist du in Schweden schlichtweg – „aufgeschmissen“ – sorry für die Wortwahl. Also akzeptiere das Vorgehen, oder lass es bleiben. Dann aber kehrst du besser schnellstmöglich nach Hause zurück. Denn ohne die ID, das kann ich dir versichern, ist es echt mühsam hier in Schweden.

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